Sonja Delaunay

Russland, Frankreich
14.11.1885, Gradiesk - 5.12.1979, Paris

Malerei, Grafik, Design, Kunsthandwerk

Künstler-Lexikon

 

Herkunft, Biografie

Mit fünf Jahren wird Sonia Delaunay, geborene Sophie Stern, von Henri Terk adoptiert, einem Onkel mütterlicherseits, der Anwalt in St. Petersburg ist. Ihre Jugend verbringt sie in St. Petersburg. Max Liebermann, der mit Henri Terk befreundet ist, schenkt ihr die ersten Malfarben.

Von 1903 bis 1905 absolviert sie ein Kunststudium an der Karlsruher Akademie für Bildende Künste.

Zwei Jahre später lässt sie sich in Paris nieder. Um die Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, heiratet sie den deutschen Kritiker und Kunsthändler      Wilhelm Uhde. In Paris besucht Sonia Delaunay die Akademie de la Palette, wo sie Ozenfant und Dunoyer de Segonzac begegnet. Ihre hier entstandenen Frühwerke sind vom Streben nach Monumentalität geprägt. Sie stehen noch ganz unter dem Einfluss von van Gogh, Gauguin, den Fauvisten und den Theorien von Chevreuls.

1910 heiratet sie Robert Delaunay. Ihre Ehe ist durch die wechselseitige künstlerische Inspiration gekennzeichnet.

Künstlerisches Schaffen

Sowohl Sonia wie Robert Delaunay beschäftigen sich intensiv mit der Darstellung von Licht, Bewegung und dem Rhythmus der Farben und finden auf der Grundlage des Simultankontrastes zu einer neuen künstlerischen Ausdrucksform. Ihr Gemälde «Bal Bullier» von 1913 setzt die Vorstellung der rythmischen Tanzbewegung in kreisenden Formen um, die in der Bildmitte mit reinen Farben vermischt sind. Die Übertragung dieser künstlerischen Absichten auf die Alltagskultur, vom Modedesign über Inneneinrichtung bis hin zur Buchgestaltung, lassen Sonia Delaunay zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der Art-déco-Bewegung werden.

1912 lernen die Delaunays die Dichter Guillaume Apollinaire und Blaise Cendrars kennen. Mit Cendrars gestaltet Sonia Delaunay das erste zwei Meter lange Simultanbuch «La Prose du Transsibérien et de la petite Jehanne de France», 1913.

Die Zeit des 1. Weltkrieges verbringen die Delaunays in Spanien und in Portugal. «Les Grandes Vacances 1914-20» hat Sonia Delaunay später diesen Zeitabschnitt genannt.

Nach dem Ausbruch der russischen Revolution bleiben die finanziellen Zuwendungen aus St. Petersburg aus. Um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, nimmt Sonia Delaunay kunstgewerbliche Arbeiten an.

In Madrid lernt sie Serge Diaghilew kennen und erhält erste Aufträge für   Bühnenbilder, Dekorationen und Kostüme («Kleopatra» und «Aida», 1918 in der Oper von Barcelona). Ausserdem eröffnet sie eine Boutique für Mode und entwickelt sich zur gefragten Modedesignerin der spanischen Aristokratie.

Nach Ende des 1. Weltkrieges kehren die Delaunays nach Paris zurück. Es entstehen unter anderem Ausstattungen für dadaistische Theaterstücke sowie für Filme. Sonia bleibt auch der Modebranche treu und arbeitet erfolgreich mit dem Modeschöpfer Jacques Heim zusammen.

1931 wendet sie sich wieder der Malerei zu. Die Dekoration eines Pavillons auf der Weltausstellung 1937, bildet einen Kulminationspunkt als Gemeinschaftswerk des Ehepaares. Sonia Delaunay wird für ihr Fresko «Portugal» mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Nach dem Tod von Robert Delaunay (25.10.1941) lebt Sonia zwischen 1941 und 1944 in Grasse bei der Familie Hans Arp. Hier entsteht die Serie der Lithografien «Œuvres à deux».

Nach Ende des zweiten Weltkrieges, kehrt sie zurück nach Paris und widmet sich wieder verstärkt der Malerei. Es entstehen die umfangreichen Serien «Rythme»; «Rhythme coloré» und «Rhythmes-couleurs», die in scharf voneinander abgegrenzten Farben gestaltet sind.

«Ich kann meine Malerei nicht erklären... Noch immer stosse ich an weisse Flecken, Undeutliches... Aber ich bin sicher, dass es dahinter etwas Grundlegendes gibt, und dass davon die Malerei der Zukunft ausgehen wird.»

1949 findet in der Galerie Maeght in Paris, eine von Sonia organisierte, Hommage an Robert Delaunay statt. Sie hat es zu ihrem Lebensziel gemacht, Roberts Werk bekannt zu machen.

Ausstellungen, Hinweise, Quellen

Ihre Werke befinden sich in namhaften Sammlungen und Museen auf der ganzen Welt.

Quellen
Reclams Künstlerlexikon, 1998
DuMont’s Künstlerlexikon 1997
«Sonia Delaunay», Städtisches Kunsthaus, Bielefeld, 1958
«Sonia Delaunay, Retrospektivausstellung zum 90. Geburtstag», Galerie Gmurzynska, Köln, 1975
«Sonia Delaunay - Rhythmen und Farben», Museum Bellerive, Zürich, 1987
Allgemeines Künstler - Lexikon, K.G. Saur, München-Leipzig 2000
Sonia Delaunay-Terk Biografie, Ketterer Kunst